Vom Schüler zum Prüfer!

  

Wie bist du zur IT gekommen – und was hat dich daran von Anfang an fasziniert?

 

Es war eine recht klare Entscheidung damals in der Schule, sich in Richtung IT auszurichten. Bei Leistungskurs Mathe/Physik und Zusatzkurs Informatik war es schon fast logisch, Informatik zu studieren. Ich wollte einen Bereich, der sich ständig entwickelt und damit immer spannend bleibt. Und das hat sich bis heute nicht geändert, es gibt weiterhin ständig Innovationen, die einen intellektuell herausfordern und motivieren, sich weiterzubilden. 

 

Was hat dich dazu bewegt, dich als IHK-Prüfer zu engagieren?

Das war recht einfach und die Entscheidung wurde mir eher abgenommen. Mein früherer Arbeitgeber ist in der Erwachsenenbildung tätig und dort war ich auch als Ausbilder für Umschüler IT. Als die IHK dann auf uns zutrat mit Anfrage, ob wir Prüfer stellen können, war die Entscheidung natürlich einfach. Vor allem, da es auch ein Zugewinn für die eigenen Auszubildenden/Umschüler ist, da man ihnen präzisere Hilfestellungen zur Ausarbeitung der Abschlußarbeiten geben kann. Die engere Bindung an die IHK war für die Firma als Bildungsunternehmen da natürlich auch ein erheblicher Zugewinn.

 

Warum ist dir dieses Engagement persönlich wichtig?

Persönlich ist es mir wichtig, auch der Gesellschaft auch etwas zurückzugeben. Die Prüfertätigkeit ist ein Ehrenamt und da es Engpässe bei der Stellung der Prüfer bei den IHKs gibt, war es eine einfache Entscheidung. Ehrlich gesagt ist es für mich unverständlich, dass Unternehmen rumjammern wegen des Fachkräftemangels und sich dann weigern, Ausbilder oder Prüfer zu stellen – es ist eben ein Kreislauf aus Geben und Nehmen. Zusätzlich hatte mich das positive Feedback der Kollegen, die schon länger Prüfer sind, dazu motiviert. Und es ist auch eine gute Gelegenheit zum Networking, man kann gut Verbindungen zu anderen Ausbildern und Berufsschullehrern aufbauen und sich austauschen.

Was gehört für dich zu den wichtigsten Aufgaben als IHK-Prüfer?

Eine objektive Bewertung der zu Prüfenden, dies ist manchmal garnicht so einfach, sich nicht von bestimmten Faktoren beeinflussen zu lassen. Sei es das Thema der Arbeit, das einem persönlich nicht liegt oder das eigene Spezialgebiet ist und damit kritischer beäugt wird, oder ein ausbaufähiger Ausdrucks-/Schreibstil, der es schwierig macht, den Inhalt objektiv zu bewerten. Gerade im mündlichen Teil haben die zu Prüfenden ein direktes Feedback von den Prüfenden (Mimik, Gestik, etc.) und dies kann erheblich zur Bestärkung oder Verunsicherung beitragen, Neutralität bzw. ein offenes und freundliches Auftreten sind da sehr wichtig.

 

Was macht dir an dieser Tätigkeit besonders Spaß?

Die Einsicht in die Gedankengänge bzw. Arbeitsweisen der zu Prüfenden. Wie gehen sie an Probleme heran und lösen sie, wie gehen sie mit Unvorhergesehenem um, agieren sie agil und passen sich an oder gehen sie strikt weiter nach Schema F? Kann man in der Dokumentation erkennen, dass jemand sich wirklich Gedanken gemacht hat oder liest es sich wie schon hundert andere Arbeiten zuvor?

Und natürlich auch die Einblicke in evtl. fremde Felder. Es ist immer interessant, wenn von den üblichen Szenarios (installiere Server X mit Funktion Y oder programmiere Frontend Z) abgewichen wird. Steuerung von Textilmaschinen, Einsatz von IT in der Landwirtschaft mit Kopplung von Sensoren oder immer mehr zunehmend der Einsatz von KI. Zur Steuerung, Überwachung oder auch Kundengewinnung.

Welche Stärken bringen Auszubildende heute mit?

Positiv aufgefallen ist mir, dass viele Auszubildende sehr selbstständig agieren können und auch über ihr Feld sehr gut Bescheid wissen, engagiert sich selbst Wissen anzueignen und es anzuwenden, durchaus auch auf neuen Wegen.

 

Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für Berufseinsteiger in der IT?

Die Herausforderungen haben sich nicht wirklich geändert meiner Meinung nach, die IT war schon immer recht schnelllebig, Kernkompetenzen bleiben die Anpassungsfähigkeit & Lernfähigkeit (für ein stetig wachsendes Feld) sowie die Nutzung von KI, da kommt mittlerweile niemand mehr drumherum.

Worin siehst du den größten Einfluss deiner Arbeit als Prüfer?

Den Einfluss sehe ich allgemein als recht gering auf den weiteren Lebensweg der zu Prüfenden, er beschränkt sich auf Bewertung der abgegebenen Arbeit und die mündliche Prüfung. Der direkte Kontakt beschränkt sich auf maximal 45 min.  Mehr als ein paar Hinweise und ein Feedback bzgl. der Abschlussarbeit ist da nicht drin.

 

Was nimmst du selbst aus dieser Tätigkeit für deinen Berufsalltag mit?

Wie schon vorher erwähnt, durchaus ein Einblick in fremde Gebiete und wie sie mit IT verknüpft werden können. Manchmal sieht man in den Arbeiten Ansätze, auf die man selbst nicht gekommen wäre, da die Auszubildenden oft eine nicht so festgefahrenen Herangehensweise haben wie  die „alten Hasen“.